Korchnoi, Karpov , 480 Seiten,
kartoniert, Everyman, 7. Auflage 2013
Aus der Reihe »My Great
Predecessors«
Gewicht: 920 g
Verlag: Everyman
Breite :17,5 cm
Höhe: 25,5 cm
Erscheinungsjahr 2013
Autor: Garri Kasparow
Reihe: My Great
Predecessors
Sprache:Englisch
Auflage: 7
ISBN-13 - 978-1-78194-519-3
Seiten:480
Einband: kartoniert
INHALT :
005 Introduction: Life after
Fischer
007 Viktor the Terrible
007 Marathon Runner
008 Child of the Blockade
026 First Gold
039 Drama on Curacao
048 Opening for all Times
060 Scheveningen Experiences
073 Before and after the Escape
088 Rout in Evian
099 Beigrade Revenge
110 Baguio through the Eyes of
Korchnoi
147 Last Battle for the Throne
163 Farewell to the Dream
175 Against the King's Indian
184 Strict Examiner
095 At the Turn of the Century
207 Anatoly the Twelfth
207 God-Given Talent
208 'A serious Boy!'
221 This is not my Cycle'
231 Duel of the Debutants
248 Leap into the Unknown
281 Coronation
298 Active Champion
315 Baguio through the Eyes of
Karpov
343 Celestial Play
366 There are no easy Matches'
383 Who's next?
400 Super-Final
412 Chasing two Birds
422 Genre Crisis
431 Against the Queen's Indian
438 Suffocation of the Grünfeld
447 'Tournament of his Life'
459 King of FIDE
475 Bibliography
477 Index of Players
479 Index of Openings
In Garry Kasparows
Jahrhundertwerk über die Schachweltmeister sind wir bei den englischen
Ausgaben inzwischen beim 5. Band angekommen. Zur Erinnerung: Band 1 Steinitz,
Lasker, Capablanca und Aljechin (Besprechung im Schach Markt Nr. 4/2003), Band
2 Euwe, Botwinnik, Smyslow und Tal (Nr. 2/2004), Band 3 Petrosjan und Spasski
(Nr. 1/2005), Band 4 Fischer (Nr. 2/2005).
Die vorliegende Neuerscheinung ist
dem 12. Weltmeister der Schachgeschichte Anatoli Karpow und seinem
langjährigen Herausforderer Viktor Kortschnoi gewidmet, womit zum ersten Mal
ein Großmeister, der nicht den Weltmeistertitel errang, in dieser Serie mit
einem eigenen Kapitel bedacht wurde.Das Buch ist im gleichen Stil wie die
Vorgänger geschrieben. Den Hauptteil bilden 106 hervorragend analysierte
Partien zwischen den weitbesten Spielern, wobei der Weiterentwicklung des
Schachs besondere Beachtung geschenkt wird.
Das Buch bietet aber noch
wesentlich mehr, denn der Leser erfährt viel über die Ereignisse dieser Zeit.
Eine besondere Brisanz liegt natürlich in dem Umstand, dass Kasparow jetzt über
eine Epoche schreibt, die er selbst erlebt und später entscheidend mitgeprägt
hat. Besonders heiße Eisen sind der umstrittene Weltmeisterschaftskampf Karpow
- Kortschnoi in Baguio 1978 und die Spaltung des Weltschachbundes 1993.
Bei Letzterem scheint sich
Kasparow aber auch zu fragen, welche geheimnisvollen Mächte für das
Durcheinander in der Schachwelt gesorgt haben.
Man könnte meinen, dass die Reihe
nun abgeschlossen ist. Kasparow plant jedoch weitere Bände. Band 6 wird sich
mit der Revolution in der Eröffnungstheorie in den letzten Jahrzehnten
befassen, Band 7 mit den zahlreichen Kämpfen um die Weltmeisterschaft zwischen
Karpow und Kasparow. Offenbar auf den Geschmack gekommen deutet Kasparow auch
an, eine Autobiographie zu schreiben.
Wenn der weltbeste Schachspieler
sein Wissen weitergibt, dann ist dies eine gute Nachricht für die gesamte
Schachwelt. Wir können jedenfalls auch diesen Band V allen fortgeschrittenen
Schachfreunden mit englischen Sprachkenntnissen empfehlen. Mit einer deutschen
Übersetzung von Edition Olms ist sicher bald zu rechnen.
Schach Markt 3/2006
GROSSARTIGE ANALYSEN GROSSARTIGER
PARTIEN
VON ERIK ZUDE
Zeitschrift KARL 2/2006
„Im fünften Band der Reihe über
seine großen Vorkämpfer beschreibt Garry Kasparow den Beitrag von Viktor
Kortschnoi und Anatoli Karpow zur Entwicklung des Schachs. Kasparow erzählt
ihre schachlichen Lebensläufe und die Geschichte ihres Kampfes um die Weltmeisterschaft.
Viktor Kortschnoi wird als einziger Nicht-Weltmeister im Titel eines der Bände
genannt und erhält auch mit ca. 200 Seiten und 49 ausführlich kommentierten
Partien mehr Raum als jeder andere Weltklassespieler, der nicht die Krone
erringen konnte. Karpow sind ca. 270 Seiten gewidmet. Wer hier eine Abrechnung
mit Kasparows großem Erzrivalen erwartet, wird allerdings sehr überrascht sein.
Kasparow lässt persönliche Animositäten außen vor und stellt den großartigen
Schachspieler Karpow in den Vordergrund.Kasparow lässt den Leser die
Kandidaten- und WM-Wettkämpfe Kortschnois und Karpows hautnah miterleben. Er
beschreibt ausführlich die oftmals politisierten Begleitumstände, den Verlauf
und die spannendsten Momente.
Es finden sich zahlreiche Zitate
unmittelbar Beteiligter, von Sekundanten, Schiedsrichtern und
Delegationsmitgliedern, die die Geschehnisse und Hintergründe lebendig und
spannend wiedergeben. Natürlich kommt Kasparow auf viele wohlbekannte Episoden
z.B. über Sonnenbrillen und "Psychologen“ zu sprechen, allerdings gibt er
auch einiges an neueren bzw. eigenen Recherchen zum besten, so zum Beispiel
detaillierte Ausführungen von Yuri Razuwaew zur Arbeit in Karpows Team in den
Siebzigern, die in diesem Band das erste Mal veröffentlicht werden. Auch gut
belesene Schachfreunde werden also die eine oder andere neue Anekdote finden.
Im Mittelpunkt von Kasparows
Darstellung stehen aber die Schachpartien selbst, Kasparows Analysen, seine
Annäherungen an Kortschnois und Karpows Schachdenken, seine Beschreibung ihrer
"Schach-Charaktere“ sowie seine Einschätzung ihres Beitrags zur Entwicklung
des Schachs.
Bei Kortschnois Schaffen hebt
Kasparow besonders seinen unstillbaren Kampfgeist und seine Risikobereitschaft
hervor. Um auf Gewinn zu spielen strebt Kortschnoi auch mit den schwarzen
Steinen komplizierte, unausgeglichene Stellungen an, wobei er, zumindest nach
heutigem Maßstab, manchmal auch die Grenze des vertretbaren Risikos
überschritt. Kasparow analysiert hier z.B. eine Partie Filip - Kortschnoi,
Bukarest 1954, in der Kortschnoi als Schwarzer im Grünfeldindischen seinem
Gegner zu viel Raum ließ: "War die gesamte schwarze Strategie inkorrekt?
Objektiv gesehen, ja.“ Letztendlich triumphierte aber doch Kortschnois
Verteidigungskunst.
Ein faszinierender Aspekt
Kasparow'scher Analysen ist seine Fähigkeit, auch in bekannten Perlen der
Schachkunst neue Ideen zu finden, und gelegentlich auch etablierte Bewertungen
zu widerlegen. So findet er z.B. heraus, dass in der Abbruchstellung der 31.
Partie des WM-Matches 1978 in Baguio Kortschnoi auf Gewinn stand. Im Gegensatz
zu Kortschnois eigenen sich über 21 Seiten (!) erstreckenden Analysen, denen
zufolge die Stellung mit remis enden muss. Vor der Partie lag Kortschnoi mit
4:5 zurück, es wurde auf sechs Gewinnpartien gespielt. Ein Gewinn der Partie
war also Gold wert.
KORTSCHNOI - KARPOW
WM-Match Baguio (31), 1978
W: Kd3, Te2, h3, d4 f4 g4,a5, c5
S: Kf7, Td8, b7,c6, f6, g6, h6, b5
"Dies ( DIAGRAM ) Turmendspiel,
eines der verwickeltsten meines ganzen Lebens und, sehr wahrscheinlich, der
ganzen Schachgeschichte und -praxis!, hat für mich Anziehungskraft behalten,
und von Zeit zu Zeit komme ich darauf zurück und analysiere es erneut.“ (Viktor
Kortschnoi, Praxis des Turmendspiels, Edition Olms 1995) 47.f5 gxf5 48.gxf5 Tg8
49.Kc3?! Kortschnoi spielt absichtlich einen zweifelhaften Zug, um Karpow aus
der Heimanalyse herauszubringen. Er war mit seinem Sekundantenteam in
12-stündiger Analyse zu dem Ergebnis gekommen, dass Weiß bei bester Gegenwehr
nicht gewinnen kann. Kortschnoi und Kasparow stimmen - nach ausführlicher
Analyse! - überein, dass Schwarz nach 49.Ta2 beinahe studienhaft remis
erreicht. Die Varianten nach 49.Te6! wurden ebenfalls von Kortschnoi
analysiert, Kasparov findet aber Verbesserungen! 49...Ta8 50.Td6! Ke7 51.d5
Txa5 52.Te6+! Kd7 53.Txf6 b4 54.Kc4 b3! 55.Tf7+ Kc8 56.Kxb3 cxd5 57.f6 Ta1
58.Te7 Kd8 59.Kc3 Tf1 60.Txb7 Txf6 61.Kd4 Tf3 62.h4!! (62.Kxd5 Txh3 63.Kc6 Kc8
Remis, Kortschnoi) 62...Tf5 63.c6 Kc8 64.Th7 h5 65.Kc5 d4+ 66.Kb6 mit Gewinn
49...Te8?! 50.Td2 Te4 51.Kb4 Ke8 52.a6 bxa6 53.Ka5 Kd7 54.Kb6 b4 55.d5 cxd5
56.Txd5+ Kc8 57.Td3 57.c6? b3! 57...a5? Karpow war dem Remis sehr nahe.
57...Tc4! 58.c6 Tc3 59.Td6 (59.Td2 b3 60.Tg2 Kd8 61.Kb7 a5 62.Td2+ Ke7 63.c7 a4
64.c8D Txc8 65.Kxc8 a3 66.Td7+ Remis) 59...b3 60.Txf6 Kd8 61.Td6+ Ke7 mit
Remis. 58.Tg3 b3 59.Kc6 Kb8 60.Txb3+ Ka7 61.Tb7+ Ka6 62.Tb6+ Ka7 63.Kb5 a4
64.Txf6 Tf4 65.Txh6 a3 66.Ta6+ Kb8 67.Txa3 Txf5 68.Tg3 Tf6 69.Tg8+ Kc7 70.Tg7+
Kc8 71.Th7 1-0
Begeisternd ist hier an Kasparows
Analyse nicht nur das Ergebnis: Die Bewertung eines anerkannten Spezialisten im
Turmendspiel, wenn nicht gar "des“ Turmendspielexperten schlechthin,
Viktor Kortschnoi, erarbeitet in unzähligen Stunden der Analyse, wird
korrigiert. Was mir nicht minder bemerkenswert erscheint ist, dass Kasparow dem
Leser in ausführlichen verbalen Erläuterungen die wirklich sehr komplizierten
Geschehnisse auf dem Brett erklären kann und einige Kernpunkte der weißen
Gewinnführung markant formuliert. Insbesondere die Rolle des aktiveren weißen
Königs wird von Kasparow anschaulich erläutert. Garry Kasparow demonstriert auf
insgesamt sechs Seiten neben den besten Zügen auch sein tiefes Verständnis
dieser wichtigen Partie der Schachgeschichte.
Kann Kasparow auch das Spiel
Anatoli Karpows erklären? Er unternimmt einige Anstrengungen, dem Leser Karpows
Schachdenken näher zu bringen, immer auf der Grundlage hochinteressanter
Analysen, die viele neue Ideen und Bewertungen aufweisen. Unter anderem zeigt
er, dass Karpow oft auch in scharfen Stellungen (zu-)viel Augenmerk auf
Unterbindung gegnerischen Gegenspiels legte, nicht immer im Einklang mit den
Erfordernissen der Stellung. Er versucht auch in einigen Beispielen, Karpows
"phänomenale Intuition“ mit konkreten Varianten zu untermauern. Richtig
verständlich machen kann aber auch er nicht alles. Der Gerechtigkeit halber
muss aber angemerkt werden, dass auch Karpow selbst nicht jeden seiner Züge
schlüssig erklären kann. Kasparow zitiert des öfteren lehrreiche Erläuterungen
Karpows und ergänzt diese mit eigenen Varianten.
Die insgesamt 57 ausführlich
kommentierten Partien Karpows sind in dieser Form vermutlich die besten
Analysen Karpow'scher Partien, die im Moment zu haben sind. Sie enthalten eine
gelungene Auswahl seiner schönsten und wichtigsten Partien, mit Ausnahme der
Wettkämpfe gegen Kasparow selbst, denen er einen eigenen Band widmen wird.
Das Buch bietet allen
Schachfreunden etwas, ob man Geschichte und Entwicklung des Spitzenschachs aus
Kasparows Sicht nachvollziehen will, oder ob man einfach nur einige der besten
Schachpartien nachspielen möchte. Viele Analysen sind sehr detailliert und
variantenreich, Kasparow versteht es jedoch, den Kern der Partien so zu
präsentieren, dass man auch dann etwas davon hat, wenn man nicht jeder
Verzweigung nachgegangen ist. In jedem Fall bereitet die Lektüre einiges
Vergnügen.“
G.Kasparow:MY GREAT PREDECESSORS – PART FIVE (kartoniert)
- Marke: Everyman Chess,London
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